Ein Leben bei den Menschen, für die Menschen – als Mensch.
An anderer Stelle habe ich ja bereits einmal die franziskanischen Grundwerte vorgestellt. Diese prägen mein Leben auch entscheidend. Nur hat jeder Mensch auch eigene Werte, die sich wie sein Person-Sein auch mosaikartig aus seinem Leben zusammensetzt. Hier daher meine persönlichen Werte.

Franziskanische und vinzentinische Prägung mit diakonischer Neigung
Meine Werte setzen sich aus einer Vielzahl an Erfahrungen und Begegnungen zusammen. Besonders prägend dabei sind für mich die franziskanische und ergänzend dazu die vinzentinische Spiritualität mit ihrem noch stärkeren Fokus auf die Aktion, als das Franziskaner häufig so haben. Dabei behalte ich mir selbstredend vor, diese Werte noch weiterhin zu ergänzen und umzuarbeiten. Zum Stand des heutigen Tages (13.8.2025) sind mir aber nun folgende Werte besonders wichtig:
👐
Radikale Berührbarkeit
offen empfangen, bewusst loslassen, durchlässig werden
- Sich vom Leben, von den Menschen und von Gott im Innersten treffen lassen.
- Bewusst wahrnehmen, was gerade geschieht, und den Moment achtsam leben.
- Loslassen, was nicht gehalten werden kann, und innerlich frei bleiben.
- Masken und Schutzmauern abbauen, um Gottes Gegenwart in allem zu erfahren.
❤️🩹
Heilende Nähe
sich schenken, ohne zu besitzen, lieben weil ich mich geliebt weiß, mitfühlend begleiten, berühren lassen
- Sensibel und zärtlich wahrnehmen, was andere brauchen, und zärtlich Anteil an ihrem Leben nehmen.
- Menschen in ihren Notlagen mitfühlen und sie ohne Bevormundung begleiten.
- Handeln aus innerer Verbundenheit, getragen von Gottes Liebe und Fürsorge.
🌎
Universelle Brüderlichkeit
auf Augenhöhe begegnen, Grenzen überwinden, Weggemeinschaft sein
- In jedem Menschen – unabhängig von seiner Geschichte – einen Bruder oder eine Schwester erkennen.
- Begegnung auf Augenhöhe suchen, statt Hilfe von oben herab zu leisten.
- Als Mit-Lernender und Wegbegleiter die tiefe Verbundenheit aller Geschöpfe feiern.
🤝
Barmherzige Nähe
mitfühlend begleiten, Anteil nehmen
- Mit Menschen in ihren Notlagen mitfühlen und sie liebevoll begleiten.
- Helfend da sein, ohne zu bevormunden, als Spiegel göttlicher Barmherzigkeit.
- Hoffnung und Trost spenden, wo Dunkelheit oder Leid herrschen.
🎯
Wahrhafte Klarheit
authentisch handeln, ehrlich sein
- In Gottes Licht stehen und ehrlich sein, in Worten wie in Taten.
- Gedanken, Gefühle und Entscheidungen klar ausdrücken, ohne Falschheit oder Verstellung.
- Handeln aus innerer Überzeugung, getragen von Gerechtigkeit und Liebe.
🌱
Lebensbejahung & Freiheit
Leben frei bejahen –
nicht aus Zwang, sondern aus Vertrauen
- Frei werden von dem, was festhält, um dem zu gehören, was Leben schenkt.
- Das Leben schützen, weil es heilig ist. Es fördern, weil es wachsen will.
- Frei, Ja zu sagen zum Leben – in Dankbarkeit, Vertrauen und Hingabe.
❓
Warum aber das alles?
Die Werte, die ich oben genannt habe, sind für mich eng verwoben mit dem christlichen Gottesbild. Ganz nach dem Bibelwort „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“ (1Joh 4:19, EÜ) möchte ich diese Werte leben, als Antwort darauf, dass ich mich von Gott selbst zuerst geliebt weiß. Denn wer berührt wird, will auch weiter berühren. Sie leiten sich für mich von meinem Gottesbild ab.
Übrigens: Ein Resultat dieser Werte ist es natürlich auch, dass ich keinen Anspruch erhebe, dass jeder Mensch sich bei der Gewichtung dieser Werte als „die wichtigsten“ anzuschließen. Im Gegenteil – so wie wir Menschen einzigartig sind, sind es auch unsere Werte. Und zur Schönheit dieser Vielfalt sage ich aus vollem Herzen warhaft „ja!“.
Wichtig dabei ist mir, dass die Werte sowohl kontemplative, als auch aktive Komponenten haben. „Liebe sei Tat.“ soll Vinzenz von Paul gepredigt haben und Franz von Assisi hat diese Überzeugung besonders eindrücklich vorgelebt. So glaube ich, Gott in jeder Berührung eines Kranken zu begegnen, der des Trosts bedarf. So glaube ich, Gott in jedem Lächeln und in jedem Wort eines Obdachlosen zu sehen, über den alle anderen abfällig hinwegsehen und an ihm vorbeilaufen. Und so glaube ich, die Stimme Gottes in den Worten psychisch Kranker zu hören, die sonst nur ruhig gestellt werden, weil sie der Welt lästig wurden.

Was heißt das nun ganz praktisch?
Noch klingen diese Werte ja sehr theoretisch. Wie können diese Werte nun aber Gestalt annehmen? Erfahre mehr dazu hier in meinem Blog-Beitrag.
